Klimaschutz Ranking: Schweiz weiterhin ausserhalb der Top 20

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Germanwatch e.V. und das NewClimate Institute bewerten jedes Jahr gemeinsam mit über 450 Expert*innen den Klimaschutz-Fortschritt von 63 Ländern. Im aktuellen Ranking verbessert sich die Schweiz um sieben Plätze, liegt aber weiterhin nur auf Rang 26 und bleibt im hinteren Mittelfeld zurück.

Ein wichtiger Grund für das dürftige Abschneiden: Die Schweiz vernachlässigt den Inlandsausstoss und setzt stattdessen auf Emissionsreduktionen im Ausland. Zusätzlich beanstandet der Detailbericht Stillstand oder Fehlentwicklungen in den folgenden Bereichen:
📦 Konsum
✈️ Verkehr, insbesondere Luftfahrt
💵 beim Fianzplatz
🐮 und in der Landwirtschaft.

Die leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr wird dadurch getrübt, dass die Schweiz trotz fortschrittlicher Gesetze wie dem Klimaschutz- und dem Stromgesetz hinter dem, was möglich gewesen wäre, zurückbleibt. Dazu Patrick Hofstetter, Klimaschutz- und Energieexperte beim WWF Schweiz: «Obwohl neue Gesetze wie das Klimaschutz- und Stromgesetz eine gute Grundlage für Verbesserungen bieten würden, bleibt die Schweiz im Klimaschutz nur Mittelmass. Neben gravierenden Defiziten etwa im Verkehrs- und Finanzsektor liegt das Hauptproblem darin, dass der Bundesrat starke Gesetze halbherzig umsetzt und damit Penalties vergibt.»

Unsere Botschaft: Ambitionen an die Realität anpassen und bis 2035 Netto-Null-Emissionen erreichen. Dazu braucht es sozial verträgliche, wirksame Instrumente. Die Lösungen liegen auf dem Tisch. Jetzt gilt es, sie umzusetzen und zum Standard zu machen.
👉 Gemeinsame Medienmitteilung mit Greenpeace Schweiz - Link

LinkedIn-Post (Link).

 

Ergänzung: Der in Klimafragen sehr versierte Prof. Dr. Reto Knutti hat dazu am 20.11.25 folgenden LinkedIn-Post gemacht (Link)

Die Schweiz ist Weltmeisterin beim Skifahren und beim Hartkäse. Beim Klimaschutz ist sie im neuen CCPI Ranking auf Rang 26. Meine persönlichen Einschätzungen…

❓Haben wir Fortschritte gemacht?
👉Im Ranking leicht, seit das revidierte CO2 Gesetz und das Stromgesetz in Kraft sind, aber zu wenig. Die Schweiz wird die CO2-Ziele, die sie sich gesetzt hat, so nicht erreichen. Es fehlt an Umsetzung.

❓Könnten wir mehr leisten?
👉Gemäss Pariser Übereinkommen sollen für Länderziele die «höchstmögliche Ambition» gelten. Die Schweiz ist das innovativste Land der Welt, wir haben ausgezeichnete Forschung/Bildung und viel Geld. Am Ende ist es eine politische Entscheidung, aber Mittelfeld würde ich nicht als höchstmögliche Ambition bezeichnen. Climate Action Tracker und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bezeichnen die Anstrengungen der Schweiz auch als “ungenügend”.

❓Kann man die Anstrengungen eines Landes überhaupt quantifizieren?
👉Anstrengungen kann man verschieden messen. Wie hoch sind die Emissionen heute? Wie viel hat man schon reduziert? Welche Pläne hat das Land? Wie effektiv sind die beschlossenen Massnahmen? Und wie viel macht das Land angesichts seiner Möglichkeiten? Die Gewichtung ist bis zu einem gewissen Grad immer eine Wahl, mit der man einig sein kann oder nicht. Aber die Methode ist dokumentiert und für jedes Land gibt es eine ausführliche Analyse. Diese ist wertvoller als die Rangliste.

❓Warum fliesst Klimapolitik mit ein?
👉Am Ende müssen wir ein Netto Null Ziel erreichen. Wann wir das erreichen, ist primär dadurch bestimmt, wie schnell wir in Zukunft Emissionen reduzieren. Das wiederum ist bestimmt durch die politischen Instrumente und ihre Wirksamkeit.

❓Wo gibt es besonders viel Nachholbedarf?
👉Überall. Aber im Bereich Landwirtschaft wagt es in der Schweiz niemand, etwas auch nur anzustossen, weil die Interessenvertreter so stark sind. Und beim Finanzplatz gibt es auch kaum etwas, obwohl die Hebel hier weit über die Landesgrenzen hinaus wirksam wären.

❓Was ist mit den konsumbasierten Emissionen?
👉Der Fussabdruck der Schweiz ist doppelt bis dreifach so hoch, wenn man die CO2 Emissionen der Produkte mitzählt, die wir importieren, Tendenz steigend. Natürlich können wir diese bedingt vor Ort kontrollieren, aber wir können sie über die Beschaffung steuern.

❓Ist die genannte Forderung Netto Null 2035, spätestens 2040, realistisch?
👉Ich halte dies für wenig zielführend. Der Bundesrat diskutiert jetzt die Eckpunkte für die Klimapolitik nach 2030. Die Prozesse sind langsam. Aber die Schweiz hätte tatsächlich mehr Möglichkeiten und würde profitieren, wenn sie auf innovative Lösungen setzt. Die Dekarbonisierung ist zwingend, und je länger man wartet, desto schwieriger und teurer wird es.