Biodiversität: Gesunde Böden – Initiativen, die bewegen

Post Thumbnail

Auszüge aus einem LinkedIn-Beitrag des wwf mit zwei Videos – Link

Gesunde Böden sind die Grundlage unserer Ernährung: 90 Prozent unserer Lebensmittel hängen direkt von fruchtbarem Boden ab. Dessen Milliarden winzige Organismen stellen Nährstoffe bereit, speichern Wasser und binden Kohlenstoff. Ein einziger Teelöffel Erde enthält mehr Mikroorganismen, als es Menschen auf der Welt gibt. Und dennoch fehlt es vielerorts an Ressourcen und Anreizen, um unsere Böden langfristig zu schützen.

Mit Initiativen wie AgroImpact und dem Klimabündnis Lebensmittel setzt der WWF Schweiz genau hier an und schafft neue Wege, wie regenerative Landwirtschaft im Alltag von Betrieben Realität werden kann. Der Lebensmittelsektor beeinflusst unsere Umwelt wie kaum ein anderer. Die Produktion unserer Lebensmittel verändert Landschaften, beeinflusst Gewässer und Ökosysteme.

Was die Branche besonders beschäftigt, sind Treibhausgase: wie es gelingen kann, weniger davon freizusetzen und langfristig mehr davon zu binden. Regenerative Landwirtschaft kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Detailhandel und Industrie haben längst erkannt, dass sie ihre Klimaziele ohne die Landwirtschaft nicht erreichen können. In der Schweiz setzen Nutztierhaltung und Düngung der Böden ungefähr so viele Treibhausgase frei wie der gesamte Gebäudesektor.

Regeneration statt Erschöpfung

Hinter dem Trendbegriff «regenerative Landwirtschaft» steht eine Bewirtschaftungsform, die natürliche Ressourcen wie den Boden nicht nur schont, sondern aktiv verbessert. Herausfordernd dabei ist, dass es kein Patentrezept gibt. Jede Region, jedes Mikroklima und jeder Betrieb braucht spezifische Lösungen. Das macht die Umsetzung anspruchsvoll. Zu den wesentlichen Prinzipien gehören:

  1. Zurückhaltendes Pflügen: weil mit jedem Umbruch der Scholle das Leben im Boden buchstäblich auf den Kopf gestellt – und oft zerstört wird.
  2. Tierhaltung bewusster in die Landwirtschaft zu integrieren: Wiesenflächen werden durch die Tritte der Tiere zur Wurzelbildung angeregt und ihr Dung trägt zur Nährstoffversorgung bei.
  3. Möglichst konstante Bodenbedeckung: durch Mulch oder Begrünung wird das Bodenleben geschützt und genährt. Die stärkere Durchwurzelung fördert die Mikroorganismen im Boden und erhöht die CO₂‑Bindung.
  4. Geschickte Sortenkombination: Linsen zum Beispiel nehmen Stickstoff aus der Luft auf und tragen ihn in den Boden – sie sorgen damit für eine natürliche Düngung des Bodens.

Die Effekte dieser Prinzipien sind für die Umwelt gewaltig. Die Humusschicht kann über mehrere Jahrzehnte anwachsen mit messbaren Vorteilen: mehr Kohlenstoffbindung, bessere Wasserspeicherung und damit mehr Resilienz gegenüber Trockenperioden. Und nicht zuletzt fördert ein lebendiger Boden auch die Biodiversität.

Einen langen Atem braucht es dafür: «Wir gehen davon aus, dass es zehn bis zwanzig Jahre dauert, bis wir eine spürbare Verbesserung des Bodens sehen», sagen Martin Frei. Nicht nur der lange Zeithorizont ist ein Hindernis – auch Mehraufwand und Kosten lassen viele Landwirte zögern. Denn viele dieser Massnahmen verursachen Mehrkosten, die die Betriebe aktuell nicht in Wert setzen können.

Anreize stärken – zusammen mit Industrie und Detailhandel

Die bestehenden Subventionsmodelle decken den zusätzlichen Aufwand der regenerativen Landwirtschaft nicht ab. Mittelfristig ist von der Politik keine finanzielle Unterstützung für nachhaltige Bodenbewirtschaftung zu erwarten. Der WWF Schweiz erhofft sich deshalb mehr finanzielle Mittel aus dem Markt. Initiativen, die Detailhandel, Industrie sowie Branchen- und Bauernverbände vereint, sind dafür entscheidend:

AgroImpact fördert nachhaltige Praktiken, unterstützt Landwirt:innen beim Wandel und schafft transparente Finanzierungssysteme für den ökologischen Umbau der Landwirtschaft. Ähnlich arbeitet auch das im Sommer 2025 ins Leben gerufene Klimabündnis Lebensmittel daran, schweizweit einen fairen Finanzierungsmechanismus aufzubauen. Erfreulich und wichtig ist, dass sich auch grosse Unternehmen wie Nestlé, Lidl Schweiz, Coop und Migros-Gruppe in die Initiativen einbringen.

«Unser Ziel ist es zu erreichen, dass Betrieben echte Anreize gegeben werden, in Bodengesundheit und klimaresiliente Bewirtschaftung zu investieren», sagt Damian Oettli, Leiter Markets beim WWF Schweiz.

Mehr dazu im Beitrag - siehe Link

 

Und dann noch ein ergänzender LinkedIn-Beitrag von Karl Jänike – Link

Biodiversität, die Kunst des Lassens. Wir harken, schneiden und entsorgen die Biodiversität buchstäblich aus den Grünflächen heraus.

Weniger zu tun könnte an dieser Stelle mehr bewirken. Hier sind drei Hebel, die ökologisch den Unterschied machen, aber oft an unserem Drang zur Perfektion scheitern:

1️⃣ Infrastruktur des Lebendigen (Stehen lassen): Ein toter Stamm ist kein Sicherheitsrisiko, sondern ein biologisches Kraftwerk. Wir müssen aufhören, Totholz oder verblühte Wiesen als „ungepflegt“ zu betrachten. Sie sind die CO2-Speicher und Versorgungszentren, die unsere Projekte erst klimaresilient machen.

2️⃣ Recycling ohne Logistik (Liegen lassen): Es ist paradox: Wir fahren wertvolle Biomasse wie Laub und Mahdgut kostenpflichtig vom Hof, nur um im Frühjahr Dünger und Mulch zuzukaufen. Wer Stoffkreisläufe vor Ort schließt, schützt den Boden vor Erosion und füttert das Bodenleben – gratis und hocheffizient.

3️⃣ Vernetzung statt Isolation (Durchlassen): Ein ökologisch wertvoller Garten ist wertlos, wenn er eine Insel bleibt. Wahre Ökologie zeigt sich in der Durchlässigkeit. Wir müssen Trittsteine schaffen: Böschungen statt Stufen und Lücken im Zaun für den Igel. Ein Garten darf keine biologische Sackgasse sein.

Wo ist der Punkt, an dem die Akzeptanz für „wildere“ Flächen bei euch aufhört? Und wie verkauft ihr die „Kunst des Lassens“ als echten Mehrwert?