Eine neue Besinnung auf die soziale Marktwirtschaft unter einer Neuordnung des Finanzsystems und Nachhaltigkeitsaspekten

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Das herrschende Wirtschaftssystem ist heute der «Neoliberalismus» in den führenden westlichen Industriestaaten – allen voran die USA. Dabei war das Konzept der «Sozialen Marktwirtschaft» sehr erfolgreich und könnte viele Fehlentwicklungen, die heute in der Wirtschaft zu beobachten sind, wieder korrigieren. Die «Gemeinwohl-Ökonomie» hat das Konzept weiterentwickelt.

Das kapitalistische Wirtschafts-System in der heutigen Ausprägung Neoliberalismus hat ausgedient,

  • setzt auf weiteres Wachstum,
  • fördert Externalisierung von Kosten zu Lasten Mitwelt und Gemeinwesen,
  • hat die ökologischen Grenzen weit überschritten und
  • zerstört zunehmend unser gesellschaftliches Fundament.
  • Die Finanzindustrie ist ausgeufert und dient nur noch begrenzt den Bürgern und der Realwirtschaft; Geldmengen und Schulden sind überproportional zur Wirtschaftsentwicklung angestiegen; Gier, Spekulation und Profitdenken blockieren verantwortungsbewusstes Wirtschaften.
  • Erfolg wird rein monetär bewertet und basiert meist auf beruflichem Erfolg.
  • Der Mensch wie die Umwelt werden als Objekte behandelt und «ausgebeutet». Es gilt sie wieder als Subjekte zu sehen und «menschliche Beziehungen» sowie unsere Beziehungen zur Umwelt/Natur sind zu fördern.

Zunächst zeigen wir zwei LinkedIn-Beiträge (Link)

a) von André Reichel, Professor for International Management & Sustainability @ International School of Management ISM (Stand 20.04.26)

Was ist eigentlich die Soziale Marktwirtschaft? Und was bedeutet sie heute im 21. Jahrhundert? Vor allem: was muss getan werden, um der "Stimme" der Sozialen Marktwirtschaft wieder zu mehr Geltung zu verhelfen?

Soziale Marktwirtschaft ist kein bloßes Schlagwort aus den frühen Jahren der Bundesrepublik. Sie war der Versuch, aus den Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine politische und wirtschaftliche Lehre zu ziehen: weder ungehemmter Laissez-faire-Kapitalismus noch autoritärer Staatsdirigismus, sondern eine Wirtschaftsordnung, die Wettbewerb ermöglicht, sozialen Ausgleich sichert und Freiheit institutionell einbettet.

Historisch gehört dazu auch eine europäische Dimension. Nach 1945 wurde die soziale Einbettung der Marktwirtschaft in vielen westeuropäischen Ländern zu einem einigenden Grundmuster – trotz aller nationalen Unterschiede. Der gemeinsame Nenner war: offene Märkte ja, aber flankiert durch Sozialstaat, Mitbestimmung, öffentliche Infrastruktur, Wettbewerbsschutz und politische Verantwortung für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Genau darin lag lange eine besondere Stärke Europas.

Heute steht dieses Modell unter neuem Druck. Klimawandel, Digitalisierung, geopolitische Abhängigkeiten, demografischer Wandel und soziale Polarisierung lassen sich nicht mit den Rezepten der 1980er oder 1990er Jahre beantworten. Wer sich heute zur Sozialen Marktwirtschaft bekennt, kann deshalb nicht einfach „mehr Markt“ oder „weniger Staat“ sagen. Das wäre zu schlicht.

Eine zeitgemäße Soziale Marktwirtschaft muss Märkte stärken, aber auch dort eingreifen, wo Märkte offenkundig versagen: bei CO2-Emissionen, bei kritischer Infrastruktur, bei monopolartiger Marktmacht, bei fehlenden Investitionen in Zukunftstechnologien oder bei der Erosion sozialer Teilhabe. Sie ist deshalb weder planwirtschaftlich noch marktromantisch. Sie ist ordnungspolitisch klug, investiv, innovationsorientiert und sozial verbindlich.

Daraus ergeben sich einige klare Kriterien für Wirtschaftspolitik:
▫️ Sie muss Wettbewerb schützen – nicht nur Eigentum und bestehende Geschäftsmodelle.
▫️ Sie muss ökologische Kosten ehrlich einpreisen, statt sie der Gesellschaft und der Zukunft aufzubürden.
▫️ Sie muss in die Voraussetzungen von Wohlstand investieren: Bildung, Infrastruktur, Netze, Digitalisierung, Forschung.
▫️ Sie muss Transformation ermöglichen, nicht nur ihren Preis beklagen.
▫️ Sie muss sozialen Ausgleich so organisieren, dass Wandel politisch tragfähig bleibt.
▫️ Sie muss Resilienz und strategische Handlungsfähigkeit mitdenken, gerade in einer fragileren Weltwirtschaft.
▫️ Sie muss Freiheit und Verantwortung zusammendenken – wirtschaftlich, sozial und ökologisch.

Wer nun der Sozialen Markwirtschaft eine zeitgemäße Stimme geben und entsprechen Politik machen will, der muss bereit sein sie unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts ernst zu nehmen.

b) Gabriel Waldeyer (Stand 20.04.26) - Ich werde erst ruhen, wenn Geld und Wirtschaft der Menschheit dienen. SAP-Finance-Berater im Übergang – Integrator der richtigen Reformideen zur richtigen Zeit: Jede Idee hat ihre Zeit. Jede Zeit ihr Bewusstsein.

Sein Kommentar zum vorstehenden LinkedIn-Beitrag: Der Text beschreibt die Soziale Marktwirtschaft sauber – aber blendet einen entscheidenden Punkt aus: das Geldsystem.

Die Ordnungsidee von Ludwig Erhard funktionierte in einem stabilen Währungsrahmen wie dem Bretton-Woods-System. Mit dem Ende dieses Systems 1971 (Richard Nixon) hat sich die Grundlage jedoch fundamental verändert: Geld entsteht heute überwiegend durch Kredit – und damit wächst der Finanzsektor strukturell schneller als die Realwirtschaft und aufgrund Zinses-Zins-Effekt im Liquiditäts-Bonus-Anteil auch noch exponentiell.

Das hat Konsequenzen: Vermögensinflation, steigende Ungleichheit und zunehmende Abhängigkeit von Wachstum sind nicht nur „Marktversagen“, sondern systemisch angelegt.

Solange diese monetäre Ebene ausgeblendet wird, bleibt die Debatte über die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft unvollständig.

Die eigentliche Frage wäre: Wie kann eine Ordnungspolitik des 21. Jahrhunderts aussehen, wenn ihr Geldsystem nicht mehr dem der 1950er Jahre entspricht?

Vielleicht mit einer basisdemokratischen, genossenschaftlich organisierten Monetative, Umlaufsicherung, systemischer (statt individuell moralisch-ethisch getriggerten) Gemeinwohl-Wirkung und ohne gleichzeitig zu enteignen, zu begrenzen oder Geld einer politischen bzw. ideologischen Funktion zuzuweisen ?

Ein mit bestehendem Mindset/Bewusstsein kompatibler Vorschlag (EU Rechtskonform) wird hier vorgestellt : https://lnkd.in/e6g4as9v - wer kennt ein besseres und gleichzeitig anschlussfähigeres Geld-und Wirtschafts-System welches nicht nur Symptome behandelt ?

 

Anmerkung Dr. Ralf Nacke, Dipl.-Volkswirt und Volljurist (LMU München), Dozent für Nachhaltigkeit und «Wirtschaft neu denken»: Das Wirtschaftsmodell Gemeinwohl-Ökonomie mit ihren diversen Instrumenten, u.a. der Gemeinwohl-Bilanz für Unternehmen, können das Wirtschaftssystem «Soziale Nachhaltigkeit» wieder beleben und die heutigen Anforderungen für erfolgreiches Wirtschaften unter ökologischen und sozialen Bedingungen erfüllen.

Beiträge hierfür sind zu finden als YouTube-Videos und Präsentationen unter

  1. Gemeinwohl-Ökonomie und die sozial-ökologische Transformation (Link) sowie
  2. Die Gemeinwohl-Bilanz für Unternehmen (Link)