Nichtstun beim Klimawandel verursacht «enorme» volkswirtschaftliche Kosten und was verbirgt sich hinter der Oberfläche?
Fortsetzung unserer Beiträge zum Klimawandel – siehe erster Beitrag vor 2 Tagen unter https://bildung-fuer-morgen.ch/news/klimawandel-unzureichende-reaktionen-durch-uns/
Hier ein LinkedIn-Beitrag von Prof. Reto Knutti vom 18.10.2026 (Link):
Nichtstun beim Klimawandel verursacht «enorme» volkswirtschaftliche Kosten, berechnet bis 20 Mia/Jahr, wahrscheinlich viel mehr, schreibt der Bund. Und niemand spricht darüber.
Ohne Anpassung und Klimaschutz (RCP8.5) sind wir 2060 bei Kosten von 6.5 Mia/Jahr Gesundheit durch Hitze, bis 10 Mia Kühlung, 2.7 Mia Wintertourismus, 1.5 Mia Leistungseinbussen, 1.5 Mia Extremwetter, 1.5 Mia/Jahr Landwirtschaft.
Interessante Punkte:
- Öffentliche Debatten verwenden oft auf spektakuläre Bilder: Gletscher, Bergstürze, Murgänge, Trockenheit. Die grössten Kosten sind *nicht* in den Naturgefahren, sondern bei Hitze, Kühlung, Tourismus.
- Hitzebedingte Mortalität steigt massiv, Kosten von 2.9 bis 6.5 Mia/Jahr (Szenario-Unsicherheit), 1.2-13.9 Mia/Jahr (Methodenunsicherheit). Das sind nicht nur direkte Kosten (z.B. Renten), sondern eine monetäre Bewertung der negativen Auswirkungen.
- Die reduzierten Schadenskosten plus Kosten der Anpassung liegen meist tiefer als die Schadenskosten ohne Anpassung. Anpassungsmassnahmen lohnen sich fast immer. Aber Anpassung hat Grenzen (Link Kommentar).
- Die Kosten für Kühlung auf 21°C dürften zu hoch sein. Dafür ist die Anpassung bei Trockenheit viel zu optimistisch: flächendeckende Bewässerung geht nicht ohne Wasser.
- Es fehlen u.a. Wechselwirkungen zwischen Klimarisiken, Rückkopplungen zwischen z.B. Klimawandel und Biodiversität, Verlust an Ökosystemleistungen, Waldbrandfolgen, Verschlechterung der Luft-, Boden-, Wasserqualität, Kipppunkte. Ebenso alle volkswirtschaftlichen Auswirkungen über Lieferketten, Ernteausfälle im Ausland, Preise, geopolitischen Klimafolgen.
- D.h. die «dargestellten Werte zeigen somit nur einen kleinen Teil der gesamtwirtschaftlichen Effekte des Klimawandels in der Schweiz. Effektiv werden die Auswirkungen deutlich höher liegen.»
«Es kann somit insgesamt davon ausgegangen werden, dass die Kosten des Klimawandels in der Schweiz deutlich höher ausfallen werden als im vorliegenden Bericht berechnet.» Seit vielen Jahren ist dies die erste und vollständigste Berechnung der Kosten von ausgewählten Risiken inkl. Anpassung. 300 Seiten. Ausser SRF Radio hat *NIEMAND* darüber berichtet. Dabei ist das unmittelbar höchst relevant für die Debatte zu Anpassung nach dem Sommer 2026, und die Klimapolitik nach 2030. Keine Medienmitteilung, keine Presskonferenz, keine Interviews. Die Autor:inn:en der Studie schweigen.
Zweiter LinkedIn-Beitrag vom 19.10.2026 (Link) – Englisch - übersetzt
Die Klimakrise: Was verbirgt sich hinter der Oberfläche?
Hitzewellen, Waldbrände, Überschwemmungen und Dürren sind die sichtbaren Anzeichen der Klimakrise. Doch einige ihrer verheerendsten Folgen bleiben unter der Oberfläche verborgen.
Wie ein Eisberg hat der Klimawandel tiefgreifendere Auswirkungen, als wir aus den Schlagzeilen ersehen können.
🌾 Ernteausfälle bedrohen Landwirte und ihre Existenzgrundlagen.
💧 Wasserknappheit setzt Gemeinden und lebenswichtige Ressourcen unter Druck.
🍽️ Die Ernährungsunsicherheit nimmt zu, da extremes Wetter die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigt.
🏥 Gesundheitskrisen verschärfen sich mit steigenden Temperaturen und sich verschlechternden Umweltbedingungen.
🏠 Vertreibung und Ungleichheit nehmen zu, da gefährdete Gemeinschaften wiederholt mit Klimaschocks konfrontiert sind.
⚠️ Schuldenkrisen und ressourcenbedingte Konflikte können sich verschärfen, wenn Ländern die Kapazitäten zur Erholung fehlen.
Diese Auswirkungen sind miteinander verknüpft. Eine Dürre kann Ernten verringern, Lebensmittelpreise in die Höhe treiben, die Armut verschlimmern und Familien dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen. Ein einziges Klimaereignis kann eine Kette wirtschaftlicher und sozialer Folgen auslösen.
Und die Last wird nicht gleichmäßig verteilt. Gemeinschaften, die am wenigsten zu den globalen Emissionen beitragen, verfügen oft über weniger Ressourcen, um sich vorzubereiten, anzupassen und sich zu erholen.
Klimaschutz muss über die Reduzierung von Emissionen hinausgehen. Er muss auch widerstandsfähige Ernährungssysteme stärken, Wasserressourcen schützen, die öffentliche Gesundheit verbessern und sicherstellen, dass die Klimafinanzierung die Menschen erreicht, die sie am dringendsten benötigen.
Der wahre Maßstab für den Fortschritt im Klimaschutz ist nicht nur, was wir verhindern, sondern auch, wie viele Leben und Existenzgrundlagen wir schützen.